Baumkataster
Die Vielzahl der angebotenen Systeme lässt sich unterteilen in
- Baumkataster-Datenbanken
- Datenbanken mit einer Schnittstelle zu einem GIS (Geografischen Informations System)
- Datenbanken mit integrierten GIS
1.) Baumkataster-Datenbanken
Solche Produkte funktionieren wie eine Excel-Tabelle oder Access-Datenbank. Sie sind darauf optimiert, die baumbezogenen Daten effizient über strukturierte Eingabemasken zu erfassen. Für die Datenerhebung vor Ort kommen kostengünstige PDA’s oder handheld-Computer zum Einsatz. Die Auswertung der Daten und das Eintragen durchgeführter Massnahmen erfolgen im Regelfall auf einem Desktop-PC.
Unterschiede zwischen den angebotenen Systemen bestehen vor allem in der Benutzeroberfläche. Sie entscheidet darüber, wie komfortabel und effizient mit dem Baumkataster gearbeitet werden kann.
Voraussetzung für den Einsatz solcher Systeme ist, das die Bäume vor Ort mit Baumplättchen gekennzeichnet sind.
Zu empfehlen sind solche Produkte vor allem für die Verwaltung kleiner, übersichtlicher Baumbestände, vorzugsweise durch einen weitgehend konstant bleibenden Personenkreis.
Wenn darüber hinaus noch Baumkontrolle und –pflege in einer Hand liegen, lässt sich mit diesen meist kostengünstigen Systemen sinnvoll arbeiten.
2.) Datenbanken mit Schnittstelle zu einem GIS
Diese Systeme verbinden die unter 1.) genannten Vorteile einer rationellen Datenerfassung mit den Funktionalitäten eines GIS. Jeder Baum kann mit einem Stift auf dem display an seine räumlich korrekte Position in der Karte gesetzt werden und steht dann für weitere Bearbeitungen mit seinem vollständigem geografischem Bezug zur Verfügung.
Als grundlegende Funktion sollte ein „Objektfang“ geboten werden, mit welchem ein in der Karte vorhandener Baum mit dem Stift auch auf einem kleinen Display sicher ausgewählt werden kann. Dabei wird der Baum selektiert, welcher der Stiftspitze am nächsten ist. Nach unseren Erfahrungen ist es sinnvoll, das sichere Funktionieren dieser Funktion in der Praxis zu überprüfen.
Grundsätzlich sollte ein Baum sowohl über die Tabelle ausgewählt und dann in der Grafik angezeigt werden können, als auch umgekehrt. Ein Klick auf den Baum in der Grafik sollte also das dazugehörige Datenblatt öffnen.
Bei der Anschaffung eines solchen Systems ist Vorsicht bei der Auswahl der Komponenten geboten. Fragen Sie den Anbieter explizit, ob die von Ihnen vorgesehene hardware ohne Einschränkungen mit der Software zusammenarbeitet. Auch ist zu prüfen, ob das eventuell bei Ihnen bereits vorhandene GIS (Version!) mit der vom Baumkataster-Hersteller angebotenen Schnittstelle zwischen Datenbankprodukt und GIS kompatibel ist.
Gegen die Anschaffung eines solchen Systems sprechen die zu erwartenden hohen Lizenzkosten. Sie benötigen nicht nur eine Lizenz für das GIS und die Schnittstelle, sondern neben der Desktop-Lizenz fallen auch Lizenzgebühren für jedes einzelne im mobilen Einsatz befindliche Gerät und alle Komponenten an, also Baumkataster, GIS und Schnittstelle.
Als weiterer Nachteil kann hinzukommen, dass bei Software-Updates nicht nur eine, sondern gleich alle drei Komponenten betroffen sind.
Als Vorteil der Lösung wird herausgestrichen, dass man nur mit einem solchen System „kompatibel“ zu der marktführenden GIS-Software sein könne. Diese Aussage entpuppt sich bei näherem Hinsehen schnell als Scheinargument. Zum einen sind auf dem Markt fast so viele Geografische Informationssysteme im Einsatz, wie es größere kommunale Körperschaften gibt. Zum anderen handelt es sich bei Bäumen in der Regel um Punktinformationen. Vorausgesetzt, dass die Baumkataster-Software dies zulässt, können alle gewünschten Informationen aus dem Baumkataster per Knopfdruck in eine Excel- , Access- oder dbase –Datei ausgelesen werden. In diesen Dateien sind die Standortkoordinaten enthalten. Damit kann jeder Systemadministrator mit nur minimalen Aufwand die Baumkataster-Daten im kommunalen GIS bereitstellen, völlig unabhängig von der eingesetzten Software.
Der Zugriff auf die Baumkataster-Informationen ist auch auf direktem Weg möglich. Moderne Kataster-Software sollte netzwerkfähig sein. Das bedeutet in der Praxis, das die Software auf einem zentralen Server zur Verfügung steht. Der Systemadministrator vergibt Zugriffsrechte, und schon können alle Beteiligten direkt darauf zugreifen. Damit dies Sinn macht, muss die Software allerdings in Ihren Grundfunktionen einfach zu bedienen sein.
3.) Datenbanken mit integrierten GIS
Die Funktionalität dieser Systeme entspricht derjenigen unter 2.). Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass das GIS integrativer Bestandteil des Katasters ist. Ein Update des Katasters umfasst folglich auch diese Komponente.
Einen Sonderfall dieser Kategorie bilden Software-Kataster, die als Fachschale zu einem übergreifenden Verwaltungssystem vertrieben werden. Beispielhaft sei hier das Kataster der Fa. Widemann-Systeme genannt, welches eine Erweiterung des von dieser Firma entwickelten IRIS (Integratives Raum Informations System) darstellt. Volle Funktionalität erreichen diese Lösungen meistens nur im Zusammenspiel mit dem übergeordneten System.
Die grundsätzlichen Vorteile einer GIS-Integration liegen klar auf der Hand:
- keine mehrfachen Lizenzgebühren
- keine Schnittstellenprobleme
- die ungeteilte Verantwortlichkeit für Fehlfunktionen liegt beim Hersteller der Software
In diesem Fall ist bei Anschaffung von Software darauf zu achten, dass alle darin enthaltenen Daten oder eine frei definierbare Teilmenge davon auf Knopfdruck in einem Standard-Software-Format zur Verfügung gestellt werden können (Excel, Access, txt, csv etc.).
Entscheidend für den erfolgreichen Aufbau und Einsatz eines Katasters in der Praxis ist die Benutzeroberfläche.
Grundsätzlich lassen sich mit einer Datenbank alle nur erdenklichen Aktionen ausführen. Nur ist dazu viel Sachkompetenz erforderlich. Zudem muss eine Datenhistorie geführt werden, die jederzeit zuverlässig Auskunft über die Datenherkunft liefert.
Deshalb sind die Programme mit einer Benutzeroberfläche und Rechteverwaltung ausgestattet. Damit wird festgelegt, was der Benutzer wie tun darf. Hier entscheidet sich, welches Programm sich für ein praxisnahes und effektives Arbeiten eignet.
Wichtige Hinweise zur Praxistauglichkeit eines Katasters können folgende Fragestellungen liefern:
- Ist die Bedienung der Software intuitiv, bildet sie also wichtige Arbeitsschritte wie Ersterfassung, Regelkontrolle und Nachführen durchgeführter Baumpflegemaßnahmen praxisnah ab? Verlangen Sie eine kostenlose Teststellung!
- Welche Rechte werden dem Nutzer zugestanden? Kann er Baumkoordinaten, die das Vermessungsamt als Access-Datei oder Excel-Liste zur Verfügung stellt, selbst in die Software einlesen oder bleibt das dem Programmanbieter vorbehalten?
- Kann der für das Kataster verantwortliche Mitarbeiter festlegen, welche Parameter bei der Baumkontrolle erfasst werden sollen, ohne dafür zur Kasse gebeten zu werden?
- Können ohne Inanspruchnahme externer Dienstleistungen bei Bedarf weitere Felder für zusätzliche Informationsinhalte angelegt werden?
- Welche Rechte werden dem mobilen Gerät eingeräumt? Kann der Baumkontrolleur eine beliebige in seinem Bearbeitungsbezirk befindliche Anlage ansteuern und zwischen diesen frei wechseln oder ist sein Aktionsradius auf eine Anlage beschränkt?
- Können mit dem mobilen Gerät draußen vor Ort ohne Vorplanung Bäume erfasst werden, die im System noch nicht vorhanden sind oder muss zuvor zumindest eine fiktive Anzahl von Bäumen im Hauptsystem auf dem Desktop bereits angelegt sein?
- Kann man sich auf dem mobilen Gerät auf Knopfdruck und ohne Zeitverlust die Datenhistorie anzeigen lassen?
- Welche Kosten entstehen, wenn Daten aus dem Kataster für die Bearbeitung durch mit der Baumkontrolle beauftragte Firmen in einem Standardformat wie Access oder Excel zur Verfügung gestellt und anschließend wieder zurückgelesen werden sollen? Gibt es für die regelmäßige Datenübergabe eine definierte Schnittstellen zu Standardsoftware?